Film des Monats im Verleih - Evangelische Medienzentrale

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Albert Schweitzer DVD1842

Foto: FriJus GmbH

Dokumentarfilm von Erica Anderson und Jerome Hill
FriJus GmbH - Deutschland - 1956 / 2013
106 Minuten - Geeignet ab 12 Jahre

Es ist Albert Schweitzers Stimme, die das eigene Leben erzählt, zu Aufnahmen aus seiner elsässischen Heimat, vom Werdegang als Hochschullehrer, Organist und Pfarrer bis zur Gründung des weltberühmten Dschungelkrankenhauses im heutigen Gabun. Der 1957 entstandene Film ist ein Zeit-Dokument. Er berichtet u.a. vom beschwerlichen Bau der Station für 250 Leprakranke inmitten vom Urwald am Ufer des Ogowe Flusses. Schweitzers Ideen und Ideale leben heute fort in der Arbeit von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, medico international, der Internationalen Albert Schweitzer Vereinigung (AISL) oder in den Albert-Schweitzer-Kinderdörfern. Auszeichnungen: Oscar 1957 (Bester Dokumentarfilm); Film des Monats Februar 1958 Bonusfilme: Die Restaurierung des Films (2013) Aus dem Urwaldhospital von Dr. Albert Schweitzer in Lambarene (Film von Lilian Russel, 1935) 

Film des Monats Februar 1958

 

 

Am Sonntag bist Du tot DVD1927

Foto: Katholisches filmwerk

Spielfilm von John Michael McDonagh
kfw - Irland - 2014
105 Minuten

An der rauen Westküste Irlands ist James Lavelle Priester in einer kleinen und schwierigen Kirchengemeinde. Die Gespräche mit aggressiven Gottesleugnern, enttäuschten Kirchenmitgliedern und verrückten oder eigensinnigen Gläubigen prägen seinen Alltag. Neu ist, dass ein Mitglied der Gemeinde ihn im Beichtstuhl mit dem Tod bedroht: dieser soll die Sühne sein für den sexuellen Missbrauch, den der Beichtende in früheren Jahren durch einen anderen katholischen Geistlichen erlitten hat. Lavelle selbst wurde erst nach dem Tod seiner Frau Priester und hat eine erwachsene Tochter, um die er sich öfter kümmern müsste. Die Wut auf die Kirche, die für das Leid vieler Menschen mitverantwortlich ist, äußert sich, als die Holzkirche des Ortes in Flammen aufgeht. Mit einem jungen Priesterkollegen kommt es zu einer massiven Auseinandersetzung über die Aufgaben der Kirche, während der Bischof die bestehenden Konflikte eher verschweigen möchte. Schließlich ist der Sonntag da, an dem Lavelle sterben soll.
Mit schwarzem Humor erzählt der Film, ein Thriller mit klassischen Showdown, die Geschichte eines gutherzigen Priesters in einer desolaten katholischen Kirche, die nahezu jegliche Glaubwürdigkeit verloren hat. Die irische Westküste mit ihren kahlen Felsen, langen Küsten und grünen Hügeln wird zum Szenario einer Passion, in der das Leiden Jesu ironisch zitiert wird. Die Personen, denen der Priester begegnet, vom brutalen Mörder im Gefängnis über den zynischen Gesetzeshüter bis zur trostsuchenden Witwe, stellen seine Integrität immer wieder auf die Probe. Seine Offenheit zum Gespräch, die verletzbar und ohnmächtig macht, führt zum Mitleiden, das die institutionelle Kirche den Fragenden, Verzweifelten, Verirrten und Suchenden oft genug verweigert. Die Erkenntnis, dass Schuld anerkannt werden muss, ehe Vergebung gewährt werden kann, macht der Film eindrücklich deutlich. Reform und Umkehr gelingen nur dann, wenn Schuld akzeptiert und Mitleid für die Opfer nicht nur beschworen, sondern Leid mitempfunden wird.

Film des Monats Oktober 2014

 

 

Am Ende kommen Touristen DVD1417

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Robert Thalheim
kfw - Deutschland - 2008
81 Minuten

Zivildienst in der Begegnungsstätte Auschwitz? Sven hatte sich das anders vorgestellt aber es war die einzig freie Stelle. Im polnischen Oswiecim soll sich Sven nun um den eigenwilligen KZ-Überlebenden Krzeminski kümmern und wird nicht nur mit neuen Aufgaben, fremder Sprache und historischer Bedeutung des Ortes konfrontiert, sondern auch mit der eingespielten Routine der Vergangenheitsbewältigung. Als er auf die polnische Dolmetscherin Ania trifft und sich in sie verliebt, lernt er ein Leben jenseits der Begegnungsstätte kennen. Aber wie sieht ein normales Leben an einem Ort aus, an dem nichts normal ist? Wo Fettnäpfchen, Vorurteile und Tabus auf der einen Seite und Gedenkstättentourismus auf der anderen Seite lauern? Als Ania sich für ein Stipendium in Brüssel bewirbt, will Sven seinen Aufenthalt abbrechen. Er geht zum Bahnhof. Doch dann kommen wieder die Touristen. FBW-Prädikat: besonders wertvoll

Film des Monats August 2007

 

 

Auf Wiedersehen, Kinder DVD1223

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von L. Malle
Matthias-Film - Frankreich - 1987
100 Minuten

Januar 1944 in Frankreich. Der 11-jährige Julien kehrt nach den Weihnachtsferien zu Hause zurück ins Internat. Dort sind drei neue Mitschüler eingetroffen. Julien, einer der Klassenbesten, bekommt Konkurrenz durch Bonnet, einem der Neuankömmlinge. Bonnet ist hochintelligent und von Anfang an für Julien von Geheimnis umwittert. Juliens Instinkt trügt nicht. Bonnet heißt eigentlich Kippelstein, ist Jude und wird von den Mönchen, die das Internat betreiben, wie die beiden anderen vor den deutschen Besatzern versteckt. Ein junger Küchengehilfe denunziert die Mönche. Die drei jüdischen Schüler werden ebenso wie der Leiter des Internats von der Gestapo abgeholt.

Film des Monats November 1987

 

 

Babel DVD1319

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Alejandro González Iñárritu
kfw - USA - 2006
144 Minuten

Zwei marokkanische Jungen spielen mit einem Gewehr, ein Schuss löst sich. Mit einem Schlag wird das Leben von vier voneinander unabhängigen Gruppen von Menschen aus verschiedenen Kontinenten auf den Kopf gestellt. Da ist ein amerikanischer Tourist, der in Marokko um das Leben seiner schwer verletzten Frau kämpft, ein taubstummer japanischer Teenager, der gegen den eigenen Vater und dessen mysteriöse Vergangenheit rebelliert, sowie ein mexikanisches Kindermädchen, das zwei amerikanische Kinder über die Grenze schmuggelt - und zwei Kinder auf der Flucht vor der eigenen Verantwortung. Keiner der Fremden wird sich jemals treffen, auch wenn sie sich in diesem einen Moment so nah sind, wie Menschen nur sein können.

Film des Monats Dezember 2006

 

 

Ben X DVD1425

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von Nic Balthazar
Matthias-Film - Niederlande - 2007
85 Minuten

Jeden Morgen um 5.45 Uhr betritt der Schüler Ben die Welt des Online Rollenspiels "Archlord". In diesem Fantasy Szenario wird er zum Ritter Ben X, der allen Gefahren trotz und von der schönen Scarlite bewundert wird Um kurz nach halb sieben ist die virtuelle Realität für Ben zu Ende. Er muss zur Schule gehen, in der er von seinen Mitschülern drangsaliert und gemobbt wird. Ben kann sich nicht wehren, denn er leidet unter dem Asperger Syndrom, einer Form des Autismus. Die Gefühle und Gedanken der anderen bleiben ihm fremd. Als zwei Klassenkameraden ihn erniedrigen und schutzlos der johlenden Klasse ausliefern, wird er per Handy gefilmt, die demütigenden Bilder werden ins Internet gestellt. Der einzige Ort, an dem er sich sicher fühlte, ist nun ebenfalls bedroht. Völlig verzweifelt will er Selbstmord begehen. Doch überraschend nimmt das Mädchen, das im Computerspiel Scarlite ist, Kontakt zu ihm auf und will ihm helfen. Ben eröffnet sich eine neue Lebensperspektive.

Film des Monats Mai 2008

 

 

Die andere Seite der Hoffnung DVD2104

Verleih: Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Spielfilm - Aki Kaurismäki - Katholisches Filmwerk GmbH - Finnland - 2017
95 Minuten – Geeignet ab 14 Jahre

Khaled will dem Krieg in seiner syrischen Heimat entfliehen und strandet nach einer Odyssee durch Europa als blinder Passagier auf einem Kohlefrachter in Helsinki. Die Behörden lehnen seinen Asylantrag mit Verweis auf die verbesserte Sicherheitslage in Aleppo ab, aber Khaled denkt nicht an Heimkehr, sondern lebt lieber als illegaler Einwanderer auf der Straße. Wikström, ein ehemaliger fliegender Händler, findet Khaled im Hinterhof des Lokals übernachtet, führt das zu einem kleinen Faustkampf mit Wikström. Doch kurz darauf engagiert der Finne den jungen Mechaniker mit falschen Papieren als Putzkraft. Der Beginn einer schrulligen Gemeinschaft, die inmitten der politischen Wirren auf Solidarität setzt.

Film des Monats April 2017


Die Brücke DVD1591

Foto: Bundesverband Jugend und Film

Spielfilm von Bernhard Wicki
Bundesverband Jugend und Film - Deutschland - 1959
105 Minuten -schwarz/weiß

April 1945 - die Fronten brechen zusammen. Da werden ganz zuletzt noch die sieben Schüler der 6. Klasse eines Gymnasiums eingezogen und nach einem Tag flüchtiger Ausbildung eingesetzt. Zwar stellt ein wohlwollender Offizier sie an einem ganz unwichtigen Posten, an die Brücke ihres Heimatstädtchens, die ohnehin gesprengt werden soll. Als dort aber doch eine amerikanische Panzerspitze auftaucht, entfesseln die hilflos auf sich gestellten Kinder aus dem Fanatismus ihrer aufgeputschten Ideale heraus einen wilden Abwehrkampf. Unter unvorstellbaren Schrecken enthüllt sich das wahre Antlitz des Krieges - als der Spuk vorüber ist, taumelt der einzige Überlebende weinend nach Hause.

Film des Monats Oktober 1959

 

 

Conducta - Wir werden sein wie Che DVD1996

Foto: EZEF

Spielfilm von Ernesto Daranas
EZEF - Kuba - 2014
108 Minuten - geeignet ab 14 Jahre

Carmela ist Lehrerin und kämpft seit den Tagen der kubanischen Revolution für ein vorbildliches Erziehungssystem. Jetzt steht sie kurz vor der Pensionierung und kämpft gegen eine absurde Bürokratie ebenso energisch wie den Wertezerfall der kubanischen Gesellschaft. Chala ist einer ihrer Lieblingsschüler, ein gerissener Junge, der mit Streichen und wilden Sprüchen glänzt, aber auch mit seinem Charme und Witz überzeugen kann. Chala lebt mit seiner drogenabhängigen Mutter, um die er sich sorgt, in einer heruntergekommenen Wohnung im Herzen von Havanna. Geld verdient er, indem er die Hunde von Ignacio füttert, die dieser für illegale Hundekämpfe trainiert. Sonst kümmert er sich um seine Tauben, die er auf dem Dach des Mietshauses hält. Als er wieder einmal mit der Schulleitung in Konflikt gerät und seine desolaten Familienverhältnisse öffentlich werden, beschließt die Behörde, ihn in ein Erziehungsheim zu stecken. Doch Carmela bietet alles auf, um dies zu verhindern, wohlwissend, dass nicht Chala, sondern das System das Problem darstellt.

Film des Monats Januar 2016

 

 

Defamation DVD1564

Foto: Filmsortiment Kay Gollhardt

Dokumentarfilm von Yoav Shamir
Filmsortiment Kay Gollhardt - USA/Österreich/Dänemark - 2009
93 Minuten

Yoav Shamir, Regisseur und Autor von „Defamation“, ist in Israel geboren. Antisemitismus, ständiges Thema der israelischen Öffentlichkeit hat er selbst nicht erfahren. Aber sicher doch seine Großmutter, eine Zeitgenossin der Shoa. Großmutter, was ist das? Unsinn, Junge, sagt sie. Wer so was erlebt, der soll einfach zu uns kommen. Aber Großmutter, sagt der Enkel, warum kommen sie denn nicht? Weil sie woanders mehr Geld machen, Juden sind Betrüger, sagt die Großmutter. Und so geht es weiter in Shamirs Dokumentarfilm: überraschend. Ist Antisemitismus nur ein Gerücht? Shamir heftet sich an die Fersen von israelischen Schülern beim Besuch in Auschwitz, geht mit dem Chef von Amerikas Anti Defamation League auf Auslandsreise, besucht Rabbis in Kiew und in Manhattan, spricht auf der Straße mit schwarzen amerikanischen Jugendlichen und filmt einen israelischen Soziologenkongress.

Film des Monats September 2010

 

 

Ein Sommer in New York DVD1809

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von Tom McCarthy
Matthias-Film - USA - 2007
104 Minuten

Nach dem Tod seiner Frau verstärkt sich für den Universitätsprofessor Walter Vale das Gefühl von Resignation und Leere. Als er nach einer lustlosen Projektpräsentation in New York seine Zweitwohnung aufsucht, wird er von einem Paar überrascht, das offensichtlich seit einiger Zeit hier wohnt. Sie kommt aus dem Senegal, er aus Syrien; beide halten sich illegal in den USA auf. Als das Missverständnis aufgeklärt ist und die beiden sich ohne Unterkunft aufmachen wollen, bittet er sie zu bleiben. Langsam entwickelt Walter ein Interesse für das Trommelspiel Tareks und zieht schließlich mit ihm sogar zu einer Jamsession in den Central Park. Wegen einer kleinen Ordnungswidrigkeit wird Tarek von der Polizei verhaftet und in Abschiebehaft genommen. Walter versucht ihm zu helfen. Doch seine ohnmächtige Anklage gegen eine gleichgültige Bürokratie bleibt ohne Wirkung. Als Tareks Mutter Mouna zu Besuch kommt, nimmt er sie bei sich auf. Zwischen beiden entwickelt sich eine Nähe, die Walter aus seiner emotionalen Erstarrung befreit. Die Begegnung mit den illegalen Fremden hat seine Lebensgeister wieder geweckt.
Urbane Beziehungslosigkeit und multikulturelles Miteinander sind Lebenserfahrungen, die beispielhaft mit dem Mythos von New York verknüpft sind. Der Film ist eine Hommage an diese Stadt, die für viele Eingewanderte immer noch den „amerikanischen Traum“ repräsentiert. Er erzählt hoffnungsvoll von den Möglichkeiten, die in der Begegnung verschiedener Kulturen liegen, ohne soziale Härte und politische Hindernisse zu verschweigen. Die Musik wird zur Brücke, die neues Hören und Empfinden eröffnet. Richard Jenkins als Walter Vale spielt virtuos den Wandel von linkischer Zurückhaltung zu Rhythmusbegeisterung, von Abwehr zu Anteilnahme. Als sympathische Identifikationsfigur verkörpert er die Sehnsucht nach einem lebendigen, offenen Austausch mit den Fremden. Ihr Schutz und ihr Recht sind dafür eine unabdingbare Voraussetzung.

Film des Monats  Januar 2010

 

 

Eine Perle Ewigkeit DVD1543

Foto: EZEF

Spielfilm von Claudia Llosa
EZEF - Peru / Spanien - 2009
94 Minuten

Die junge Fausta singt, wovon sie nicht sprechen kann. Ihre Mutter wurde während des peruanischen Bürgerkriegs in den 80er Jahren vergewaltigt, als sie mit Fausta schwanger war. Dieses Trauma überträgt sich nach dem Volksglauben mit der Muttermilch auf die Tochter. Fausta hat sich völlig in sich zurückgezogen, geht nicht allein auf die Straße, zu sich selbst findet sie nur, wenn sie mit selbst komponierten Liedern gegen ihre Angst ansingt. Um sich gegen männliche Bedrohung zu schützen, hat sie sich eine Kartoffel in den Unterleib eingeführt, die ihr zunehmende Schmerzen bereitet. Als die Mutter stirbt, nimmt Fausta eine Stelle bei der Pianistin Aida an, um die Beerdigung zu finanzieren, und knüpft dort eine zurückhaltende Freundschaft mit dem Gärtner Noé. Die Pianistin eignet sich Faustas Melodien an und feiert damit Erfolge. Die als Lohn versprochenen Perlen aber verweigert sie ihr. Also kehrt Fausta eines Nachts in das Anwesen zurück, um das ihr Zustehende einzufordern.
„Eine Perle Ewigkeit“ ist ein ästhetisch eigenwilliger Beitrag zur Aufarbeitung peruanischer Geschichte, der den Leiden der indigenen Bevölkerung, vor allem der Frauen, gedenkt. Das verhalten optimistische Ende lässt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufkommen.

Film des Monats November 2009

 

 

Eisenfresser DVD1492

Foto: EZEF

Dokumentarfilm von Shaheen Dill-Riaz
EZEF - Deutschland - 2007
85 Minuten

Containerschiffe und Frachter liegen an den Stränden von Chittagong, der Wirtschaftsmetropole mit dem größten Seehafen Bangladeshs. Hier wird der maritime Schrott der westlichen Welt demontiert. Unzählige Arbeiter zerlegen, unter lebensgefährlichen Umständen und nur mit primitivsten Werkzeugen ausgestattet, die ausgedienten Ozeanriesen. Bangladesch decke, so heißt es, damit den Stahlbedarf des ganzen Landes. Die Arbeiter – die meisten kommen aus dem von Dürre geplagten Norden des Landes – werden mit Hungerlöhnen abgespeist; geknebelt durch ein für sie undurchschaubares System von nicht ausgezahlten Vorschüssen, Krediten, Mieten für die werfteigenen Unterkünfte und Kosten für Lebensmittel, sind sie am Ende der Saison meist hoch verschuldet. Die Aussage eines Werftbesitzers, die Abkürzung seines Firmennamens stehe für "Peace, Happiness and Prosperity" (PHP), kann angesichts dieser menschenverachtenden Zustände nur für ihn selbst gelten. Regisseur Shaheen Dill-Riaz, in Chittagong geboren und in Deutschland ausgebildet, gelingt es, den Lebensrhythmus der Arbeiter in Filmbildern einzufangen, die ihre Entwürdigung und Anstrengung fast körperlich spürbar machen: etwa wenn sie in knietiefem Ölschlamm und Kot die Schiffswände auseinander schweißen. Oder wenn sie wie eine endlose Reihe von Ameisen vor einem gigantischen Schiff stehen, das sie mit langen Tauen an den Strand zu ziehen versuchen. Neben solchen aussagekräftigen Bildern gelingt dem Film auch die Darstellung der komplexen sozialen und ökonomischen Abhängigkeitsverhältnisse eines neuen Proletariats, dessen Ausbeutung hohe Profite für Wenige abwirft. "Eisenfresser" durchbricht die Ignoranz derer, die für das Schicksal der Werftarbeiter mitverantwortlich sind: die westlichen Konsumenten und die anderen Globalisierungsgewinner, die sich auf Kosten der Menschen in Bangladesch preiswert ihres Altmaterials entledigen.

Film des Monats Juni 2008

 

 

Erde und Asche DVD1604

Foto: EZEF

Spielfilm von Atiq Rahimi
EZEF - Afghanistan/Frankreich - 2004
99 Minuten - OmU

Ein alter Mann, Dastaguir, und sein fünfjähriger Enkel, Yassin, warten an einer staubigen Kreuzung irgendwo in der menschenleeren Weite Afghanistans auf eine Mitfahrgelegenheit. Hinter ihnen liegt das Grauen, die Bombardierung ihres Dorfes, bei der die übrige Familie ums Leben kam – mit Ausnahme des Vaters, der nicht im Dorf war, weil er im Kohlebergbau arbeitet. Ihn wollen Großvater und Enkel jetzt in der Mine besuchen, um ihm die Todesnachricht zu überbringen.Aber heute, so erfahren sie, wird kein Laster mehr kommen. Dies ist Dastaguir auch nicht ganz unrecht. Sein Ehrgefühl sagt ihm, dass es für einen Afghanen leichter sei, selbst zu sterben, als den Tod seiner unmittelbaren Angehörigen ertragen zu müssen. So sorgt sich Dastaguir, sein Sohn werde sich rächen wollen und damit auch in den Kreislauf der Gewalt geraten, der in diesem vom Krieg geschlagenen Land kein Ende nehmen will. – "Entweder Du hast das Messer in der Hand oder an der Kehle", so formuliert ein festgenommener Soldat, der mit seinen Bewachern zu den Wartenden stößt, dieses Dilemma. Der Gefangene, der an der Kreuzung einem anderen Trupp von Soldaten übergeben wird, hat seinen Offizier getötet als dieser einen Angriff auf sein Heimatdorf befohlen hatte.
Im Verlauf des weiteren Wartens wird Dastaguir auch vom Händler und dem Wächter erfahren, wie der Krieg sie aus der Bahn geworfen und an diesen verlassenen Ort gespült hat. Im Schicksal einer Familie zeigen sich die Schrecken des Krieges, aber auch – zuweilen mit einem sehr grimmigem Humor – die Solidarität und der Überlebenswille der Opfer.

Film des Monats Juli 2007

 

 

Esmas Geheimnis - Grbavica DVD1217

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Jasmila Zbanic
kfw - Österreich/Bosnien Herzegowina/Deutschland - 2005
90 Minuten

Die allein erziehende Esma lebt mit ihrer 12-jährigen Tochter Sara in Grbavica, einem Stadtteil von Sarajewo. Für Mutter und Tochter gilt es zunächst, den Alltag zu bewältigen. Die soziale Unterstützung reicht nicht aus, so dass Esma eine Stelle als Kellnerin in einem Nachtklub annimmt. Sara verliebt sich zum ersten Mal und freut sich auf die bevorstehende Klassenfahrt. Mit kindlichem Stolz erzählt sie die Geschichte, dass ihr Vater als Kriegsheld, als Schechid, an vorderster Front gefallen ist. Als sie ein amtliches Dokument über seinen Tod benötigt, weicht ihr die Mutter aus. Saras immer drängendere Fragen finden keine Antwort. In einem dramatischen Gespräch bricht die Wahrheit aus Esma heraus: sie wurde im Krieg mehrfach vergewaltigt und schwanger. Das Kind, das sie nicht haben wollte, konnte sie jedoch nach der Geburt nicht verstoßen. Um sich und die Tochter zu schützen, hat sie die Vergewaltigung verschwiegen.

Film des Monats Juli 2006

 

 

The Fog of War DVD1320

Foto: Katholisches Filmwerk

Dokumentarfilm von Errol Morris
kfw - USA - 2003
160 Minuten - OmU

Der Dokumentarfilm ist ein wichtiges Zeitdokument über den ehemaligen US-Verteidigungsminister Robert S. McNamara. Offen und selbstkritisch reflektiert er über Kriege und Krisen, über Entscheidungen, die Hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet haben - vom Zweiten Weltkrieg bis hin zu Kuba und Vietnam. Packende historische Einsichten aus erster Hand und Zeitdokumente verbinden sich mit überlebenswichtigen Fragen zu den Herausforderungen von heute.
Preis: Oscar 2003 - Bester Dokumentarfilm

Film des Monats Oktober 2004

 

 

Der große Crash - Margin Call DVD1737

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von J. C. Chandor
Matthias-Film - USA - 2011
109 Minuten

Ein Sommertag im Jahr 2008. In einer renommierten New Yorker Investmentbank hat es gerade eine Entlassungswelle gegeben; das ist „business as usual“. Nicht so selbstverständlich ist, dass einer der Gefeuerten, ein leitender Angestellter im Risikomanagement, einem Untergebenen einen Stick mit inoffiziellen Daten zuspielt. Der junge Mann stellt fest, dass die Bank auf einer Unmenge überbewerteter Papiere sitzt – es droht der „Margin Call“, der Moment, in dem echtes Geld hergezeigt werden müsste und sich herausstellen würde, dass die Bank unterkapitalisiert ist. Manager werden informiert und Krisensitzungen einberufen. Schließlich fliegt der Chef ein. Der versteht die „komplexen Finanzprodukte“, die sein Haus handelt, auch nicht besser als der Kreditnehmer von der Straße. Aber er hat eine Strategie: Die toxischen Papiere müssen verkauft werden, möglichst schnell. Alle Beteiligten wissen, dass das nicht nur die Firma, sondern den ganzen Markt in die Krise stürzen wird.
„Margin Call“, das erstaunlich selbstbewusste Kinodebüt von J.C. Chandor, spielt nahezu ausschließlich in klimatisierten Büros, unter Männern in gedeckten Anzügen. Mit kühler Präzision wird hier von der Immobilien- und Bankenkrise erzählt, die vor drei Jahren im Kollaps der Lehman Brothers kulminierte, Tausende von Existenzen vernichtete und die westlichen Volkswirtschaften noch heute belastet. Chandors Inszenierung macht das Finanzmilieu für den Laien durchschaubar, ohne seine Strukturen zu simplifizieren. Die Menschen in diesem Film, vom ambitionierten Jungtrader über die Abteilungsleiter bis hin zum Firmenboss, haben nichts Dämonisches - einige sind selbst verschuldet, fürchten um Abfindungen und Sozialversicherung, leiden auf hohem Niveau. Aber keiner von ihnen bricht mit einem System der Bereicherung und Berechnung, in dem die „normalen Leute“ keine Rolle spielen. So zeigt „Margin Call“, ohne das Spannungsfeld des amerikanischen Genrekinos zu verlassen, dass Moral und Vernunft nur von außen in die Ökonomie kommen können: Der Markt wird es nicht richten.

Film des Monats Oktober 2011

 

 

Das Herz von Jenin DVD1563

Foto: DVD Complett

Dokumentarfilm von Leon Geller und Marcus Vetter
DVD Complett - Deutschland - 2008
90 Minuten

Im Jahr 2005 in Jenin, einem der größten palästinensischen Flüchtlingslager im Westjordanland: Der 12-jährige Ahmed Khatib wird bei einer Razzia der israelischen Armee tödlich verletzt. Ein Soldat hatte Ahmeds Spielzeuggewehr für eine echte Waffe gehalten. Nach Rücksprache mit einem Imam und einem Vertreter der Al-Aksa-Brigaden beschließen die Eltern, die Organe ihres hirntoten Kindes sechs kranken israelischen Kindern zur Verfügung zu stellen. Ein Drusenmädchen kann nun mit Ahmeds Herz weiterleben, einem Beduinenjungen bleibt dank der Spenderniere die weitere Dialyse erspart. Was den Fall zu einem Medienthema macht, ist, dass Ahmeds zweite Niere der kleinen Tochter eines araberfeindlichen, orthodoxen jüdischen Siedlers eingepflanzt wird.
Der israelische Filmemacher Leon Geller und der Deutsche Marcus Vetter rekonstruieren die Geschichte zwei Jahre später anhand von TV-Material und der Befragung von betroffenen Familien und anderen Beteiligten. Sie begleiten Ismael Khatib, Ahmeds Vater, auf einer bewegenden Reise zu den Kindern, denen die Organe seines Sohnes das Leben retteten. Die Begegnungen mit den Familien führen zugleich das breite Spektrum der Probleme vor, die den Alltag israelischer Araber prägen. Der schwierigste Teil der Reise ist der Besuch bei dem jüdischen Siedler, der von beidseitiger Befangenheit, Unverständnis, aber auch tiefer Dankbarkeit seitens der jüdischen Familie bestimmt ist. Den Filmemachern gelingt es, die Dramatik dieser Situation spürbar zu machen, der eine hohe politische Symbolik innewohnt. "Das Herz von Jenin" ist ein beeindruckendes Dokument, das auf der einen Seite die scheinbar unüberwindlichen Ressentiments zwischen Israelis und Arabern zeigt, die den Nahostkonflikt prägen. Auf der anderen Seite ist der Film aber auch ein Zeugnis dafür, dass Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft diesen Konflikt einmal überwinden könnten.

Film des Monats Mai 2009

 

 

Ich, Daniel Blake DVD2069

Verleih: Filmsortiment Kay Gollhardt

Spielfilm von Ken Loach
Filmsortiment Kay Gollhardt - Großbritannien - 2016
97 Minuten - geeignet ab 14 Jahre  

Das Sozialamt prüft die Arbeitsfähigkeit von Daniel Blake entsprechend einem vorgegebenen Fragebogen. Er hat Jahrzehnte als Schreiner gearbeitet. Nachdem seine Frau, die er gepflegt hat, gestorben ist, hat er einen Herzinfarkt erlitten. Laut ärztlichem Attest ist er nicht arbeitsfähig und daher auf Sozialhilfe angewiesen. Doch der Gesundheitsdienst erkennt dies nicht an. Daniel gerät in die Mühlen eines bürokratischen Systems, das ihm Hilfe verweigert und seine persönliche Würde missachtet. Auf dem Sozialamt trifft er auf die alleinerziehende Katie mit ihren beiden Kindern, die ebenfalls von der Gleichgültigkeit der Verwaltung betroffen sind. Sie weiß nicht, wie sie ohne Unterstützung überleben soll. Beide freunden sich an und wollen gemeinsam gegen die Maßnahmen der Sozialverwaltung kämpfen. Auch Daniels Nachbarn unterstützen ihn. Angesichts seiner Ohnmacht setzt er schließlich vor dem Sozialamt ein öffentliches Zeichen. Kann sein Protest das entwürdigende Verfahren verändern?
Das britische Sozialhilfesystem und seine Auswirkungen auf die Betroffenen stehen im Zentrum des Films. Statt für eine materielle Grundsicherung in Krisenzeiten wie Arbeitslosigkeit, Krankheit und schwierigen Familiensituationen zu sorgen, erweist es sich als zynisch und gleichgültig gegenüber den existentiellen Nöten der Menschen. Ständig droht die Verwaltung mit Sanktionen, weil alle, die öffentliche Unterstützung suchen, unter dem Verdacht stehen, sich die Hilfe auf Kosten des Staates zu erschleichen. So erscheinen die sozial Schwachen nicht als Opfer ungerechter Verhältnisse, sondern als Betrüger, die bestraft werden müssen. Gegen diese Verzerrung der Wirklichkeit protestiert der Film. Immer wieder gelingen Loach Bilder, die die Würde, den Widerstand und die Solidarität der Bedürftigen in Szene setzen. Er plädiert für einen Sozialstaat, der ihnen Respekt erweist und ihren Bedürfnissen gerecht wird, und ermutigt zur Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung für die Armen und Schwachen.

Film des Monats Dezember 2016 

Im Labyrinth der Erinnerung DVD2172

Verleih: Sabcat Media

Spielfilm von Alireza Khatami
EZEF - Chile, Deutschland, Frankreich, Niederlande - 2017
92 Minuten – Geeignet ab 16 Jahre

Ein alter Mann steht im Zentrum des Films. Er arbeitet auf einem Friedhof, am Rand einer namentlich nicht genannten lateinamerikanischen Großstadt. Der Film beginnt mit einem Dialog dieses Friedhofwärters mit dem Totengräber, von dem lange nichts zu sehen ist – nur die Erde, die er mit ruhiger Beharrlichkeit aus der Grube schaufelt. Nachdem es zu Unruhen in der Stadt gekommen ist – Schüsse sind zu hören und der Leichenwagenfahrer berichtet davon – tauchen in der Nacht Soldaten auf, die Tote von Lastwagen abladen und in die noch freien Kühlkammern der Leichenhalle verfrachten. Die unbekannten Toten werden dann ebenso überraschend wieder abgeholt, doch der Leichnam einer jungen Frau bleibt zurück. Der Friedhofswärter bemüht sich um eine würdige Beerdigung für die Unbekannte. Und zugleich versucht er, einer alten gramgebeugten Frau zu helfen, die in regelmäßigen Abständen vorbeikommt, um sich nach ihrer Tochter zu erkundigen, die schon vor Jahren ‚verschwunden‘ ist. Ihr Schicksal ist wohl auch seines, wie immer wieder eingestreute Verweise auf Erinnerungen an seinen Sohn nahelegen Und so wie der Totengräber für niemanden ein Grab aushebt, von dem er nicht weiß, wer es ist und wie sie oder er gestorben ist, so bemüht sich der Friedhofswärter darum, der toten jungen Frau eine Identität zu verschaffen – denn nur dann darf sie auch bestattet werden.

Film des Monats Juli 2018

Im Labyrinth des Schweigens DVD1937

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Giulio Ricciarelli
kfw - Deutschland - 2014
123 Minuten - geeignet ab 14 Jahre

Frankfurt am Main, 1958. Die deutsche Bevölkerung möchte nach vorne schauen und nicht an ihre Schuld an den NS-Verbrechen erinnert werden. Doch der junge Staatsanwalt Johann Radmann wird hellhörig, als ein Journalist einen Lehrer anzeigt, der in Auschwitz als Aufseher arbeitete. Zwar weiß Radmann selbst nur wenig darüber, was in den Konzentrationslagern wirklich geschah, doch geht er der Sache auf den Grund. Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer unterstützt ihn bei diesem aufwändigen Projekt. Der Film erzählt die Vorgeschichte des ersten, am 20. Dezember 1963 beginnenden Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Das Ausmaß der Verdrängung wird kontrastiert durch ein mit viel Zeitkolorit gezeichnetes Stimmungsbild der Bundesrepublik der 1960er-Jahre.

Film des Monats November 2014

 

 

Just a Kiss DVD1081

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von Ken Loarch
Matthias-Film - Großbritannien - 2003
103 Minuten

Eine Liebesgeschichte zwischen einem Sohn pakistanischer Einwanderer und einer jungen Glasgower Lehrerin. Die beiden begegnen sich zufällig, als Casim seine Schwester von der Schule abholen will, in der Roisin als Musiklehrerin arbeitet. Sie verabreden sich, gehen tanzen und verlieben sich ineinander. Vor seiner Familie versucht Casim ihre Beziehung geheim zu halten. Denn er steht kurz vor der seit Jahren anberaumten Hochzeit mit einer Cousine, die seine Eltern, gläubige Moslems, für ihn bestimmt haben. Eine Absage der Hochzeit könnten sie nie akzeptieren. So muss Casim wählen zwischen Familie und Liebe, einer Liebe, die sich gegen politische und kulturelle Widerstände behaupten muss. Aber auch für die junge Lehrerin werden die Probleme groß, wenn sie - mit einem Moslem liiert - weiter an ihrer katholischen Schule unterrichten möchte. Doch manchmal gelingt es, Grenzen zu überschreiten.

Film des Monats November 2004

Die Klasse DVD1433

Foto: Lingua-Video

Spielfilm nach dem autobiografischen Roman von François Bégaudeau - Regie: Laurent Cantet
Lingua-Video - Frankreich - 2008
128 Minuten

François springt nicht deklamierend auf den Tisch, um seinen Schülern die Schönheit der französischen Sprache beizubringen. Mit erlesenen Versen käme er auch nicht weit: Die neunte Klasse, die er an einer sogenannten Problemschule im Pariser Osten unterrichtet, ist ein ethnisch und sozial reichlich gemischter Haufen; Hoch- und weniger Begabte, Schüler jeder Couleur teilen hier die Bank. Wenn es gut läuft, gelingt es François, den 14- oder 15-Jährigen ein knappes Selbstporträt abzuringen. Wenn es schlecht läuft, schicken sie seine Konjunktivkonstruktionen ins Nirvana: "Niemand redet so!" Oder sie machen sich öffentlich Gedanken über seine sexuelle Orientierung: "Es heißt, Sie stehen auf Männer." François korrigiert: Er sei nicht schwul. Aber mehr erfahren wir nicht über ihn als Privatperson.

Film des Monats Januar 2009

 

 

Le Havre DVD1748

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Aki Kaurismäki
kfw - Deutschland/Finnland/Frankreich - 2011
93 Minuten

Le Havre an der Küste der Normandie ist das selbst gewählte Exil von Marcel Marx, einem gescheitertern Schriftsteller und Lebenskünstler, der sich als Schuhputzer eher schlecht als recht durchschlägt; seine Frau Arletty hält die knappe Kasse zusammen. In seinem Viertel mit den kleinen Läden und Kneipen ist der charmante Hungerleider trotz seiner Schulden beliebt. Doch als seine Frau schwer erkrankt und er dem minderjährigen Idrissa aus Afrika begegnet, gerät sein ruhiger Alltag durcheinander. Der Junge entging der Verhaftung, als er mit einer Flüchtlingsgruppe auf dem Weg nach London in einem Schiffscontainer entdeckt wurde. Marcel versteckt Idrissa, wobei ihm seine Hündin Laika eine hilfreiche Begleiterin ist. Unterstützt von seinen Nachbarn kann er Idrissa dem polizeilichen Zugriff entziehen. Ein Benefizkonzert mit dem „Elvis von Le Havre“, Roberto Piazza, soll die Geldsumme für die Überfahrt nach England erbringen, schließlich hilft sogar der Polizeikommissar Monet. Nicht nur in der kalten Welt der Abschiebebehörden geschehen noch Zeichen und Wunder.
 Lakonisch und in minimalen Dialogen nimmt der Film das Publikum mit in die Welt an den Rändern der Gesellschaft: zu Schuhputzern und Bohemiens, kleinen Gewerbetreibenden und Flüchtlingen, Denunzianten und sentimentalen Polizisten. Im Stil französischer Filme der fünfziger Jahre erzählt Aki Kaurismäki ein melodramatisches Märchen von gelingender Solidarität und wundersamer Menschlichkeit. Das Gestern der stilisierten Filmbilder wird zum Schauplatz der höchst aktuellen Flüchtlingsproblematik an den Grenzen Europas. Gegen alle realistische Wahrscheinlichkeit setzt der Film die Hoffnung, dass die Rettung der Gestrandeten gelingen möge. In einfachen Gesten, kleinen Handreichungen, einer Blume oder einem Nachtlager erweist sich das brüderliche Verhalten. „Le Havre“ wird so zum schützenden Hafen für die Bedrängten und Ausgeschlossenen – und bewahrt für sie und uns den Glauben an einen glücklichen Ausgang.

Film des Monats September 2011

 

 

Liebe DVD1795

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Michael Haneke
kfw - Deutschland/Österreich/Frankreich - 2012
126 Minuten

Anne und Georges sind ein Paar, das gemeinsam alt geworden ist. Ihre Liebe wird getragen von gegenseitigem Vertrauen, Respekt für die Würde des Anderen und gemeinsam geteilten Bildungsinteressen. Ihre großzügige Wohnung strahlt eine gediegene Bürgerlichkeit aus: das Klavier der ehemaligen Klavierlehrerin fehlt ebenso wenig wie die Bibliothek oder eine Reihe kunstverständig ausgewählter Bilder an den Wänden. Doch beim Frühstück am Morgen nach dem Besuch des Klavierkonzertes eines ihrer Schüler ist Anne für Minuten nicht ansprechbar. Im Laufe der Zeit wird ihre Gebrechlichkeit immer gravierender. Die körperliche Beweglichkeit und die geistige Ansprechbarkeit nehmen rapide ab, eine halbseitige Lähmung kommt hinzu, sie wird bettlägerig und muss rundum versorgt werden. Liebevoll kümmert sich Georges um sie. Die Tochter Eva möchte pragmatische Lösungen für die Patientin. In ihrer Sorge um die Mutter versteht sie nicht, was ihre Eltern verbindet. Die Unterstützung durch eine organisierte Pflege ist nur begrenzt hilfreich. Als Anne das Essen und das Trinken verweigert, kann Georges ihr Leid nicht länger ertragen. Seine Liebe zu ihr lässt ihn handeln.
„Liebe“ ist ein außergewöhnlicher Liebesfilm, der das Publikum auf intensive Weise an der Dramatik des Abschiednehmens angesichts von Verfall und Sterben teilhaben lässt. Es ist kein Film über die Pflege im Alter, sondern ein Film über die Intimität der Liebe, ihre Belastbarkeit, ihre Grenzen und ihre Größe. Die Wohnung als einziger Handlungsort macht räumlich die Einschränkungen sichtbar, denen das Alter unterliegt. Die Kamera hält in den Blicken und Körpergesten gleichzeitig liebende Zuwendung, Hilflosigkeit und Schmerz fest. Den geliebten Menschen verlieren und selbst an der Liebe bis zum Schluss festhalten: Regisseur Michael Haneke konfrontiert uns mit dem ungemilderten Schrecken des Sterbens, lässt aber das Menschliche unzerstört. „Denn die Liebe ist so stark wie der Tod“ (Hohelied 8,6) – nicht stärker, aber auch nicht schwächer.

Film des Monats September 2012

 

 

Lucky DVD2149

Verleih: Alamode Film

Spielfilm von John Carroll Lynch
kfw - USA - 2017 - 85 Minuten - geeignet ab 16 Jahre

Lucky ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, philosophische Gespräche bei Bloody Mary am Abend. Bis er sich nach einem kleinen Unfall seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Zeit dem Leben noch einmal auf den Zahn zu fühlen.
Vignetten aus dem Leben eines alten Mannes in der Wüste von Arizona, die sich zu einem bewegenden Porträt eines Menschen verdichten, der es gelernt hat, mit der Einsamkeit und dem Bewusstsein der Sterblichkeit umzugehen. Ein gänzlich unpathetischer, zu den Wurzeln der Existenz vordringender wortkarger Film, in dem die Furcht vor dem Tod der gelassenen Akzeptanz täglicher Rituale weicht. 

Film des Monats  März 2018


Lumumba DVD1395

Foto: EZEF

Spielfilm von R. Peck
EZEF - Frankreich/Belgien/Haiti/Deutschland - 2000 - 106 Minuten - OmU

Vom einfachen Postangestellten steigt er innerhalb kurzer Zeit zum ersten Premierminister seines Landes auf: Patrice Lumumba führt den Kongo in die Unabhängigkeit. Von der Kolonialmacht Belgien wird das Land nur aufgegeben, weil es Ende der 50er Jahre politisch nicht mehr als Kolonie zu halten ist. Raoul Peck rekonstruiert die dramatischen Umstände und politischen Intrigen, die 1961 in der Ermordung Lumumbas gipfelten. Sein Schicksal wird zu einem Schlüssel für das Verständnis der politischen Wirren im heutigen Kongo und der wirtschaftlichen Interessen, die den Krieg im Gebiet der Großen Seen am Laufen halten.
"Manche Leute denken, der ganze Film sei von mir erfunden worden. Aber in diesem Film handelt es sich um eine der seltenen Gelegenheiten, in denen die reale Geschichte viel unglaublicher ist als der Film. … Selbst die kleinsten Details sind authentisch …" (R. Peck)

Film des Monats November 2001

 

 

Der Mann ohne Vergangenheit DVD1532

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von Aki Kaurismäki
Matthias-Film - Finnland/Frankreich/Deutschland - 2002
97 Minuten

Ein Namenloser, überfallen und ausgeraubt nach einer Zugfahrt und von den Ärzten für tot erklärt, springt vom Bett auf und findet sich erinnerungslos in einem zweiten Leben wieder. Er siedelt sich in einem Schrottcontainer am Flussufer an, mit Kleidern versorgt von der Heilsarmee und bald auch mit der scheuen Liebe der Heilsarmistin Irma. Mit Zähigkeit, Phantasie und Überlebenswillen baut er sich ein neues Leben auf, bis er - versehentlich eines Banküberfalls verdächtigt - identifiziert wird. Nachdem sein Foto im Fernsehen gezeigt wurde, meldet sich seine geschiedene Ehefrau. Er reist zu ihr, sie informiert ihn über seine Vergangenheit. Alles bleibt ihm fremd. Er kehrt sogleich zu Irma zurück. 
Eine Art Märchen in einer Mischung aus Melancholie und Humor.

Film des Monats November 2002

Martin Luther DVD1920

Foto: Matthias-Film

Regie: I. Pichel
Matthias-Film /Luther-Film GmbH, Stuttgart - Lutheran Church Production Inc., New York - 1953
105 Minuten schwarz/weiß

Der in deutsch-amerikanischer Gemeinschaftsproduktion entstandene dramatische Film um den Reformator ist ein Welterfolg geworden. Er zeigt Luthers Weg von dem Zeitpunkt an, als der Student sich entschloss, in ein Kloster zu gehen, bis zum Bekenntnis der evangelischen Reichsstände am 25. Juni 1530 vor Kaiser Karl V. in Augsburg. Diese Verfilmung gehört zu den beachtenswertesten Beispielen des religiösen Spielfilms.

Film des Monats März 1954

 

 

Moolaadé - Bann der Hoffnung DVD1220

Foto: EZEF

Spielfilm von Ousmane Sembène
EZEF - Senegal/Frankreich/Burkina Faso/Marokko/Kamerun/Tunesien - 2004
120 Minuten - OmU

Ein Lehmhüttendorf irgendwo in Afrika: Vier Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren fliehen am Vorabend ihrer Beschneidung auf den Hof von Collé Ardo, die sich vor Jahren der Beschneidung ihrer Tochter widersetzt hat. Collé, die unter dem Trauma ihrer eigenen Beschneidung leidet, gewährt ihnen Moolaadé, ein Schutzrecht, vergleichbar dem Asyl. Durch ein Band, das sie vor den Hofeingang zieht, werden die dahinter liegenden Hütten zum sicheren Ort. Alle, die den Mädchen übel wollen, müssen draußen bleiben, andernfalls droht ihnen nach der Überlieferung der Tod. Mit der Beschneidung verwoben ist auch die Frage der Heiratsfähigkeit der Mädchen. Der Konflikt eskaliert und erschüttert das gesamte soziale Gefüge des Dorfes.

Film des Monats Juni 2006

 

 

Mord in Pacot DVD1997

Foto: EZEF

Spielfilm von Raoul Peck
EZEF - Frankreich/Haiti/Norwegen - 2015
130 Minuten

Das Erdbeben in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince, im Januar 2010, hat weite Teile der Stadt in ein Trümmerfeld verwandelt. Auch die Villa eines im Nobelviertel Pacot lebenden Ehepaares ist zerstört. In der Ruine versuchen sie ihren Alltag neu zu organisieren und vermieten den verschonten Teil des Hauses an Alex, einen jungen europäischen NGO-Katastrophenhelfer. Als seine junge haitianische Geliebte Andrémise einzieht, spitzt sich die Situation zwischen den beiden ungleichen Paaren zu.
Das bürgerliche Paar steht vor den Trümmern nicht nur seiner ökonomischen Basis, sondern die Folgen des Erdbebens offenbaren auch ihre Unfähigkeit, sich dem ganzen Ausmaß der Katastrophe zu stellen, ehrlich zu sich und zueinander zu sein und einen wirklichen Neuanfang zu versuchen.
Ganz anders reagieren der frühere Hausangestellte Joseph und Andrémise auf diese Stunde Null Haitis. Beide kommen aus einfachen Verhältnissen und auch sie haben Angehörige durch das Erdbeben verloren. Aber sie machen sich unmittelbar daran, ihr Leben neu zu organisieren. Andrémise wird dabei zu einer Art Katalysator. Mit ihrer Direktheit, aber auch mit ihrer Frechheit und Dreistigkeit macht sie alle unausgesprochenen Widersprüche sichtbar.

Film des Monats September 2015

 

 

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit DVD1494

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von Uberto Pasolini
Matthias-Film - Großbriatannien - 2013
87 Minuten

Der allein lebende John May ist in der Stadtverwaltung für die Beerdigung und den Nachlass der Verstorbenen ohne Hinterbliebene zuständig. Er schreibt für die Vergessenen die Trauerrede, die er aus Fotos und anderen Fundstücken entwirft. So gibt er Menschen die Würde zurück, die sie in der Einsamkeit ihres Lebensendes scheinbar verloren haben. Seine Versuche, doch noch einen Angehörigen zu finden, scheitern meist. Auf den Beerdigungen ist er oft der einzige Gast. Doch seine Arbeit wird von seinem Vorgesetzten nicht mehr geschätzt. Seine Stelle wird gestrichen. Als ein unbekannter Nachbar ohne soziale Kontakte stirbt, wird sein Fall zu seiner letzten beruflichen Aufgabe. Gegen alle Widerstände reist er durchs Land, um die Tochter und die vergessenen Freunde von Billy Stoke zu finden. Die Suche verändert den zurückhaltenden und akribischen Einzelgänger. Er sieht ein neues Leben vor sich. Mit einer überraschenden Wendung entsteht bei seiner letzten Beerdigung tatsächlich eine neue Gemeinschaft.
Mit Understatement und trockenem Humor erzählt der Film von der Würde der Toten und deren Bedeutung für die Lebenden. Der wie ein pedantischer Sonderling und Relikt einer bürokratischen Tradition erscheinende John May ist in Wahrheit der Hüter einer kostbaren Tugend, der Bewahrer des Eingedenkens. Denn ob den Toten, den Vergessenen und Überflüssigen Respekt entgegengebracht wird, ist ein Gradmesser für die Menschlichkeit und Solidarität einer Gesellschaft. In einer auf Beschleunigung und Effizienz ausgerichteten Welt ist der sanfte Mr. May der Statthalter eines Wissens um die Endlichkeit, Unersetzlichkeit und Gefährdetheit jedes einzelnen Lebens. Gegen die Verdrängung des Todes und der Einsamkeit des Sterbens steht das Memento mori, das Bedenken und das Begleiten der Verstorbenen, als Mahnung und heilsame Unterbrechung des Laufs der Dinge. Die Gemeinschaft von Lebenden und Toten dient so der Bereicherung des Lebens und öffnet den Horizont für die Fragen nach der Ewigkeit.

Film des Monats September 2014

 

 

Nackt unter Wölfen DVD1324

Spielfilm von Frank Beyer
kfw- DDR - 1962
119 Minuten

Die berühmte Frank-Beyer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bruno Apitz handelt von einem kleinen Jungen, der im Getto geboren wurde, später dann - versteckt in einem Koffer - ins Konzentrationslager Buchenwald kam und gerettet werden konnte, weil die Lagerinsassen ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten. Dieser erste deutsche Film über Leben und Sterben im Konzentrationslager richtet seinen Fokus ganz auf die Reaktionen der Häftlinge. Die Frage nach Humanität, Gewissen und Disziplin werden in dieser menschenverachtenden Zeit ganz neu gestellt. Nie zuvor wurde die hermetisch abgeschlossene Welt der Lager so intensiv dargestellt, nüchtern, klar und unpathetisch.

Film des Monats März 1968

 

 

Philomena DVD1683

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Stephen Frears
kfw - Großbritannien/USA/Frankreich - 2013

Er hat auf höchster politischer Ebene mitgemischt. Menschelnde Schicksalsstorys öden ihn an. Aber als die fast 70jährige Philomena Lee dem arroganten Journalisten Martin Sixsmith ihre Lebensgeschichte anvertraut, wittert er eine Story: Als Teenager wird Philomena im streng katholischen Irland der fünfziger Jahre ungewollt schwanger. Zur Strafe kommt sie in ein Kloster, in dem sie ihren unehelichen Sohn zur Welt bringt und gezwungen wird, ihn zur Adoption freizugeben. 50 Jahre lang schweigt Philomena aus Scham. Jetzt bittet sie Martin um Unterstützung bei der Suche nach ihrem Kind. Während ihrer gemeinsamen Reise auf den Spuren der Vergangenheit prallen zwei Welten aufeinander: Die fromme, warmherzige ältere Dame und der zynische Reporter bilden ein kurioses Team. Trotz aller Gegensätze freunden sie sich an – und stoßen im Verlauf ihrer Nachforschungen auf einen Skandal.
Der Film erzählt eine wahre Geschichte basierend auf dem Buch "The lost child of Philomena Lee" von Martin Sixsmith.

Film des Monats März 2014

 

 

Die Piroge DVD1862

Foto: EZEF

Spielfilm von Moussa Touré
EZEF - Senegal/Frankreich - 2012
87 Minuten - OmU

Am Rande eines Ringwettkampfs werden die Bedingungen für die Überfahrt mit einer Piroge, eines Bootes, das in Westafrika traditionell zum Küstenfischfang verwendet wird, zu den Kanarischen Inseln verhandelt. Als Kapitän soll Baye Laye angeheuert werden. Er soll die Verantwortung für die 30 Männer übernehmen, die sich auf den Weg nach Europa machen wollen. Während er zögert, will sein Bruder Abou unbedingt weg, um in Frankreich eine Karriere als Musiker zu beginnen. Schließlich lässt sich Baye Laye überreden, das Kommando zu übernehmen, wenn auch nur, um seinen unerfahrenen jüngeren Bruder vor dem sicheren Tod zu bewahren. Lansana, der Schlepper, vertröstet schon seit Tagen eine Gruppe von Fulbe, die zunehmend ungeduldig auf die versprochene Abfahrt warten. Nun kommen zehn weitere Männer aus Guinea hinzu, die sich jedoch nur über einen Dolmetscher mit den Fulbe verständigen können und zum Teil noch nie zuvor das Meer gesehen haben. Verstärkt durch einige Männer aus Dakar, ist die Gruppe nun groß genug, um bei gutem Wetter in See zu stechen. Nur Kapitän Baye Laye weiß, wie gefährlich die Überfahrt wirklich ist. Nicht wenige Pirogen sind von der Strömung in die Weiten des Atlantischen Ozeans getrieben worden und haben ihr Ziel nie erreicht. Schon bald nachdem das Schiff abgelegt hat, macht Lansana einen blinden Passagier ausfindig, Nafi Talla, eine Frau, der es geglückt ist, sich an Bord zu schmuggeln. Für manche der Männer scheint dies ein böses Omen zu sein und Lansana droht damit, sie über Bord zu werfen. Doch Kaba erklärt sich bereit, später für ihre Überfahrt zu zahlen und seine Ration an Essen und Wasser mit ihr zu teilen. Während einige der jüngeren Männer von einer Karriere als Fußballer oder Musiker träumen, erwarten sich die Älteren teilweise ein Auskommen auf einer spanischen Gemüseplantage zu finden. Und so nimmt die Piroge ihre Reise auf. Erscheint sie zunächst groß und gut ausgerüstet, ist sie bald nur noch ein winziger Punkt in den Weiten des Ozeans.

Film des Monats April 2013

 

 

Rebell wider Willen: Das Jahrhundert des Martin Niemöller DVD1022

Foto: Matthias-Film

Eine Reise durch ein protestantisches Leben - Dokumentarfilm von H. Karnick und W. Richter
Matthias-Film - 1985
110 Minuten

Ein Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte im Spiegel der widersprüchlichen Biographie Martin Niemöllers. Ein Mann zwischen allen Stühlen: Preußisch bis zur Halskrause der U-Boot-Kommandant im ersten Weltkrieg. 40 Jahre später bezeichnet er die Ausbildung zum Soldaten als Ausbildung zum Berufsverbrecher. Er wird Pastor, führt seit 1933 den "Pfarrernotbund" und wettert gegen die Umsetzung des Arierparagraphen. Seine Predigten sind ein Politikum ersten Ranges: vor seiner Verhaftung 1937 sind vierzig Gerichtsverfahren wegen "Kanzelmissbrauchs" gegen ihn anhängig. Die Konzentrationslager von Dachau und Sachsenhausen überlebt er sieben lange Jahre als persönlicher Gefangener Hitlers. Als die Amerikaner den prominent-renitenten Widerständler weiter internieren wollen, tritt er in den Hungerstreik. Der Gründung der BRD und der Teilung Deutschlands steht er höchst ablehnend gegenüber und hält unbeirrt Kontakt zu den Christen in der DDR. Als einer der Präsidenten des Weltkirchenrats wird er für seine zahlreichen Reisen in den Osten als Handlanger Moskaus diffamiert. Nicht minder skandalträchtig seine Begegnung mit Ho-Tschi-Minh 1966 in den ersten Jahren des Vietnam-Krieges. Der Ostermarschierer bezeichnet den Krieg als "die Verneinung aller Menschenwürde". Die Vaterfigur der bundesdeutschen Friedensbewegung ist ein Musterbeispiel für Zivilcourage und Verständigung.

Film des Monats Oktober 1985

 

 

Reise zur Sonne - Journey to the Sun DVD1021

Foto: EZEF

Spielfilm von Yesim Ustaoglu
EZEF- Türkei/Niederlande/Deutschland - 1999
104 Minuten - OmU

In Istanbul treffen zufällig Mehmet und Berzan aufeinander und werden Freunde. Mehmet stammt von der Westküste und arbeitet bei den städtischen Wasserwerken. Berzan ist Kurde und Straßenverkäufer. Er hofft, bald heimkehren und heiraten zu können. Bei einer Razzia wird Mehmet zu Unrecht verhaftet. Wegen seiner dunklen Hautfarbe wird er für einen Kurden gehalten. In der Haft wird er schwer misshandelt. Nach seiner Entlassung zwingen ihn seine Mitbewohner, das gemeinsam bewohnte Zimmer zu verlassen. Wenig später verliert er auch noch seine Arbeit. Seine Freundin Arzu unterstützt ihn, und mit Berzans Hilfe findet Mehmet auch einen neuen Job und wieder eine Bleibe. Doch seine täglichen Erfahrungen in den Armenvierteln Istanbuls entmutigen ihn zusehends. Berzan wird bei einer Demonstration verhaftet und stirbt im Polizeigewahrsam. Mit Arzus Hilfe bekommt Mehmet den Leichnam Berzans ausgehändigt, damit er ihn in seinem Heimatdorf bestatten kann. Er lädt den Sarg auf einen gestohlenen Pickup und bricht zu einer Reise in den Osten des Landes auf. Dabei lernt er ein Land kennen, das er immer weniger versteht.

Film des Monats Juni 1999

 

 

Das Reisfeld DVD1221

Foto: EZEF

Spielfilm von Rithy Panh nach einem Roman von Shahnon Ahmad
EZEF - Kambodscha/Deutschland/
Spanien/Frankreich/Schweiz - 1994
125 Minuten

Für den malaysischen Schriftsteller Shahnon Ahmad, dessen Roman "Le Riz" die Vorlage zum Drehbuch lieferte, ist das Reisfeld ein einfaches Symbol für die Abhängigkeit des Menschen von der Erde und umgekehrt.
Erzählt wird die Geschichte des Reisbauern Vong Poeuw, der mit seiner Frau und sieben Töchtern in einem kleinen Dorf in Kambodscha lebt: Als sich Vong Poeuw beim Pflügen einen Dorn in den Fuß tritt, beginnt eine Reihe von Schicksalsschlägen. Da er sich keinen Arztbesuch in der Stadt leisten kann, stirbt an einer Infektion. Seine Frau verkraftet den Verlust des Ehemanns nicht. Zunehmend verfällt sie dem Wahnsinn und wird zur Bedrohung für ihre Kinder. Nach dem Vermächtnis des Vaters übernimmt die älteste Tochter Sokha nun die Verantwortung. Mit großer Ausdauer und Energie bestellt sie mit ihren Schwestern das Reisfeld. Die Mutter wird in die Stadt in eine Psychiatrie gebracht. Nach der Ernte kehrt sie zurück, aber geheilt ist sie nicht. Man sperrt sie in einen Käfig. Eines Nachts nimmt Sokha ihre Mutter bei der Hand und führt sie auf das Reisfeld hinaus. Zum ersten Mal nach langer Zeit erblüht auf ihrem Gesicht ein Lächeln.

Film des Monats November 1994

 

 

Schindlers Liste DVD1055

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Steven Spielberg
kfw - USA - 1993
187 Minuten schwarz /weiß

"Schindlers Liste" schildert einprägsam die Geschichte des Oskar Schindler, Mitglied der NSDAP, Frauenheld und Kriegsgewinnler, der das Leben von mehr als 1.100 Juden während des Holocaust rettete.
Es ist der Triumph eines couragierten Mannes und das Drama derer, die durch seinen Beitrag eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte überlebt haben.

Film des Monats März 1994

 

 

Sophie Scholl - Die letzten Tage DVD1068

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Marc Rothemund
kfw - Deutschland - 2004
117 Minuten

Februar 1943: Bei einer Flugblatt-Aktion der studentischen Widerstandsgruppe "Die weiße Rose" gegen die Nazi-Diktatur wird die junge Studentin Sophie Scholl zusammen mit ihrem Bruder Hans in der Münchner Universität verhaftet. Die tagelangen Verhöre bei der Gestapo entwickeln sich zu einem Psycho-Duell zwischen der jungen Frau und dem Gestapobeamten Robert Mohr. Sophie kämpft zunächst um ihre Freiheit und um die ihres Bruders, stellt sich schließlich durch ihr Geständnis schützend vor die anderen Mitglieder der `Weißen Rose` und schwört ihren Überzeugungen auch dann nicht ab, als sie dadurch ihr Leben retten könnte. In einem Schnellverfahren verurteilt der Präsident des Volksgerichtshofs Roland Freisler sie zusammen mit ihrem Mitstreiter Christoph Probst zum Tod.

Film des Monats März 2005

 

 

Sturm DVD1544

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Hans-Christian Schmid
kfw - Dänemark/Deutschland/Niederlande - 2009
105 Minuten

Hannah Maynard, Anklägerin beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag, bleibt wenig Zeit im Verfahren gegen Goran Duric, als ehemaliger Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee verantwortlich für die Deportation und den Tod bosnischer Muslime. Ein wichtiger Augenzeuge, der sich in Widersprüche verstrickt hat, nimmt sich das Leben. Bei dessen Beerdigung lernt Hannah seine Schwester Mira kennen, die offenbar mehr über die Kriegsverbrechen Durics weiß, als sie zunächst zugibt. Sie lebt in Berlin und hat Angst, sich ihrer schrecklichen Vergangenheit zu stellen und damit ihre ahnungslose Familie zu gefährden. Doch Hannah kann sie überzeugen, vor dem Tribunal auszusagen. Unmittelbar vor der entscheidenden Gerichtsverhandlung versucht die Verteidigung von Duric, Miras Zulassung als Zeugin zu verhindern, und findet damit Unterstützung bei den Richtern. Ein unabhängiges Gerichtsverfahren ist angesichts des politischen Drucks kaum noch möglich.
Im Juli 1995 wurden in Srebrenica 8000 Muslime von bosnischen Serben ermordet. Die juristische Aufarbeitung dieses Kriegsverbrechens steht bis heute noch aus. 2010 wird das Internationale Tribunal der UN in Den Haag, das die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht, seine Arbeit einstellen. In nüchternem Stil erzählt der Film auf höchst spannende Weise von den Schwierigkeiten juristischer Aufklärung und Verurteilung eines empörenden Falls. Angesichts der zahllosen weltweiten Kriegsverbrechen bietet das Völkerrecht oft die einzige Möglichkeit, den Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen, indem die Täter bestraft werden. Doch im Spiel von Diplomatie, Politik und Bürokratie droht das Recht auf der Strecke zu bleiben. Der Film plädiert überzeugend für den Ausbau unabhängiger internationaler Rechtsinstitutionen, die mit der Macht ausgestattet sind, Kriegsverbrechen und andere Verstöße gegen das Völkerrecht wirkungsvoll zu ahnden. Die Verantwortlichen für die Morde in Srebrenica dürfen nicht ungestraft bleiben.

Film des Monats September 2009

 

 

Die syrische Braut DVD1101

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von Eran Riklis
Matthias-Film - Deutschland/Israel/Frankreich - 2003
97 Minuten

Monas Hochzeitstag wird ihr Leben unwiederbringlich verändern - weniger aus romantischen als vielmehr politischen Gründen. Denn sie lebt mit ihrer Familie in dem von Israel besetzten Teil der Golanhöhen und heiratet auf "die andere Seite der Grenze" nach Syrien. Ihr Bräutigam, der syrische Fernsehstar Tallel, ist ein entfernter Verwandter. Sobald Mona nach Syrien eingereist ist, wird sie nie wieder israelisches Territorium betreten können. Das heißt, sie muss sich an ihrem Hochzeitstag für immer von ihrer geliebten Familie verabschieden. Und dann gibt es da außerdem noch die verflixten Grenzformalitäten.

Film des Monats März 2005

 

 

Taxi - eine Nacht in Buenos Aires DVD1409

Foto: EZEF

Spielfilm von Gabriela David
EZEF - Argentinien - 2001
90 Minuten - OmU

Vor dem Hintergrund der argentinischen Wirtschaftskrise: zwei junge Leute, die am Rande der Gesellschaft stehen, sich in der Einsamkeit der Großstadt durch Zufall finden und die beide je auf ihre Weise am Traum von Freiheit und an der Sehnsucht nach Liebe festhalten.
Esteban verdient seinen Lebensunterhalt damit, Taxis zu stehlen und weiterzuverkaufen. Doch zuvor mimt er den seriösen Taxifahrer. Eines Nachts nimmt er eine junge Frau mit, die plötzlich ohnmächtig auf dem Rücksitz zusammensackt. Er wagt es nicht, sie ins Krankenhaus zu bringen. Schließlich nimmt er Laura mit nach Hause, merkt aber, dass sie ärztlich versorgt werden muss. Er setzt sie auf dem Gehsteig in der Nähe einer Klinik ab und verständigt den Notarzt. Aus der Zeitung wird Esteban wenig später erfahren, dass Laura Opfer einer Familientragödie wurde, die nur sie verletzt überlebt hat. Als Laura aus dem Krankenhaus entlassen wird, macht sie sich auf die Suche nach Esteban, vom dem sie jedoch nur vage Erinnerungen hat.

Film des Monats März 2005

 

 

Taxi Teheran DVD2003

Foto: Filmsortiment Kay Gollhardt

Spielfilm - Jafar Panahi
Filmsortiment Kay Gollhardt - Iran - 2014
79 Minuten

Ein Taxi fährt durch die lebhaften Straßen Teherans. Die wechselnden Fahrgäste erzählen freimütig, was sie umtreibt: ein Filmschmuggler vertickt die neueste Staffel von "The Walking Dead" und Filme von Woody Allen, zwei alte Frauen wollen Goldfische in einer Quelle aussetzen und ein vorlautes kleines Mädchen erklärt ihren Anspruch auf Frappuccino und ihre Nöte beim Verwirklichen eines Kurzfilmprojekts für die Schule. Am Steuer sitzt der Regisseur selbst, der 2010 wegen "Propaganda gegen das System" zu einem 20-jährigen Berufsverbot verurteilt wurde, und nun geheimnisvoll lächelnd einen neuen Film kreiert. Denn eine auf dem Armaturenbrett versteckte Kamera hält alles fest.
Jafar Panahi zeichnet ein Porträt der Menschen in seiner Heimat. Dabei verbindet er Gesellschaftskritik und Komödie und denkt nebenbei über die Möglichkeiten des Kinos nach.

Film des Monats August 2015

 

 

Timbuktu DVD1279

Foto: EZEF

Spielfilm von Abderrahmane Sissako
EZEF - Frankreich - 2014
97 Minuten

Die Handlung des Films entfaltet sich vor dem Hintergrund des Eroberungsfeldzugs islamischer Fundamentalisten, die 2012 den Norden von Mali ihrer Herrschaft unterwerfen.
Kidane, seine Frau Satima, die Tochter Toya und der von der Familie aufgenommene Hirtenjunge Issan leben abseits aber nicht weit entfernt von der legendären Wüstenstadt Timbuktu, die von den Dschihadisten beherrscht und terrorisiert wird. Die Familie von Tuareg-Nomaden harrt mit Ihrer Herde hier aus, während die allermeisten Nachbarn bereits geflohen sind.
Als Issan eines Tages die Rinderherde an den Niger zur Tränke führt, bricht eine Kuh aus der Herde aus und zerstört eines der Fischernetze von Amadou. Wütend tötet der Fischer das Tier mit seinem Speer. Als ihn Kidane daraufhin zur Rede stellt kommt es zum Streit. Unbeabsichtigt tötet Kidane dabei Amadou. Kidane wird festgenommen und wartet im Gefängnis auf seinen Prozess.
In Timbuktu herrscht zunächst keine offene Gewalt. Die Bevölkerung wird auf subtile Art von den aus dem Norden kommenden Islamisten beherrscht. Unter dem Deckmantel eines rechtgläubigen Islams wird ihnen eine Gewaltherrschaft aufgezwungen, die sich nur in vermeintlichen Kleinigkeiten ankündigt. Doch diese greifen tief in die Alltagskultur und den hier praktizierten Islam ein: Bekleidungsvorschriften für die Frauen werden erlassen, Rauchen und Musikhören werden verboten - selbst die Kinder, dürfen nicht mehr Fußballspiel spielen und werden so zu Zeugen einer dramatischen Intoleranz.
Die filmische Erzählweise thematisiert diese Gewalt der Besatzer anfangs eher indirekt. Oft sind es scheinbare und unbedeutende kleine Ereignisse die verdeutlichen, wie die Gewalt langsam in den Alltag einsickert. So erfolgen die Besuche des Rebellenführers bei Kidanes Frau immer nur dann, wenn dieser nicht da ist. Und selbst als der Imam die Besatzer auffordert, nur ohne Waffen in die Moschee zu kommen, endet dieser Disput ohne direkte Konfrontation.

Film des Monats Dezember 2014

 

 

Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen DVD1142

Foto: Katholisches Filmwerk

Dokumentarfilm von Cyril Dion und Melanie Laurent
kfw - Frankreich - 2015
118 Minuten

Was, wenn es die Formel gäbe, die Welt zu retten? Was, wenn jeder von uns dazu beitragen könnte? Als die Schauspielerin Mélanie Laurent und der französische Aktivist Cyril Dion in der Zeitschrift Nature eine Studie lesen, die den wahrscheinlichen Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren voraussagt, wollen sie sich mit diesem Horror-Szenario nicht abfinden. Schnell ist ihnen jedoch klar, dass die bestehenden Ansätze nicht ausreichen, um einen breiten Teil der Bevölkerung zu inspirieren und zum Handeln zu bewegen. Also machen sich die beiden auf den Weg. Sie sprechen mit Experten und besuchen weltweit Projekte und Initiativen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Was sie finden, sind Antworten auf die dringendsten Fragen unserer Zeit. Und die Gewissheit, dass es eine andere Geschichte für unsere Zukunft geben kann.

 

Film des Monats Juni 2016

 

 

Und dann der Regen (También la lluvia) DVD1813

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von Icíar Bollaín
Matthias-Film - Frankreich/Mexico/Spanien - 2011
104 Minuten

Im bolivianischen Hochland wird ein Film über den Beginn der Eroberung Latein- und Mittelamerikas durch die Spanier gedreht. Er soll von der Ankunft von Christopher Kolumbus in der neuen Welt, dem Aufstand des Taino-Häuptlings Hatuey auf Kuba und dem Widerstand der Dominikanermönche Antonio de Montesinos und Bartolomé de las Casas gegen die Versklavung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung erzählen. Hergestellt wird der Film während des erfolgreichen Kampfes der Bevölkerung von Cochabamba gegen die Privatisierung ihres Trinkwassers im Jahr 2000. Einer der Anführer des Aufstandes gegen den Verkauf der Wasserversorgung durch die Stadtverwaltung ist der Einheimische Daniel. Als Laiendarsteller spielt er im Film den Taino-Häuptling Hatuey. Für den jungen Regisseur Sebastián und den Produzenten Costa werden die Dreharbeiten zu einem historischen und sozialen Drama, bei dem sie selbst und ihr Filmprojekt auf dem Prüfstand stehen.
Indem der historische Film über den Beginn der Kolonisation, die Geschichte seiner Dreharbeiten und der aktuelle Wasserkonflikt miteinander verwoben werden, entwirft der Film eine spannungsreiche Konstellation von Gegenwartsanalyse und Bilderproduktion. Geradezu dokumentarisch wird die aktuelle Lage der indigenen Bevölkerung gezeigt: sozial an den Rand gedrängt, sucht sie nach einer wirksamen Form für ihre Wut und ihren Protest. Die Bilder des Historienfilms wiederum formulieren eine Anklage gegen die menschenverachtende Politik der Eroberer. Das Filmteam jedoch sieht über die gegenwärtige Missachtung elementarer Menschenrechte zunächst hinweg. Die Filmproduktion im Film wird angesichts realer Ungerechtigkeiten und tödlicher Auseinandersetzungen um die Befriedigung von Grundbedürfnissen selbst zum Problem. Kein Produzent, kein Regisseur und kein Schauspieler kann sich den Fragen nach den langen Schatten des kolonialistischen Erbes entziehen. Auch das Publikum wird unausweichlich mit diesen widersprüchlichen Perspektiven konfrontiert.

Film des Monats Januar 2012

 

 

Von Menschen und Göttern DVD1643

Foto: Katholisches Filmwerk

Spielfilm von Xavier Beauvois
kfw - Frankreich - 2010
123 Minuten

Das Klosterleben der französischen Mönche in den Bergen des hohen Atlas Algeriens verläuft in ruhigen, gleichförmigen Bahnen. Die Stundengebete und die Arbeit als Arzt, Lehrer, landwirtschaftlicher Berater und Seelsorger füllen den Tag. Die einheimische Bevölkerung schätzt ihre unaufdringliche Hilfe und Bescheidenheit. Sie versuchen niemanden zum Christentum zu bekehren, sondern treten in einen Dialog, in dem sie den Glauben ihrer Nachbarn schätzen lernen. Doch das harmonische Miteinander entspricht nicht der politischen Realität des Landes. Der Religionsvorsteher informiert den Abt Christian über den zunehmenden Terror islamistischer Fundamentalisten. Auch der Druck auf die Mönche wächst. Armee und Religionsvorsteher empfehlen ihnen, das Land zu verlassen. Jeder von ihnen steht vor einer Entscheidung, die manche zu zerreißen droht. Die Mönche finden zu einem gemeinsamen Entschluss, der für sieben von ihnen fatale Folgen haben wird.
Der Wechsel zwischen liturgischen Gesängen der Stundengebete und praktischer Hilfe für die Bevölkerung formt den Lebensrhythmus der klösterlichen Gemeinschaft, dem der Film folgt. Gottvertrauen und Mitmenschlichkeit der Mönche werden durch die terroristische Bedrohung einer harten Prüfung unterworfen. Sie bleiben, obwohl sie im Unterschied zur einheimischen Bevölkerung gehen könnten. Die Solidarität mit den Armen und die Menschlichkeit noch dem Feind gegenüber ist eine Mission, die auch die Hingabe des eigenen Lebens einschließen kann, ohne dass die Mönche zu Märtyrern werden wollten. Im dramatischen Prozess ihrer Entscheidung verschränken sich die Wahl einer spirituellen Lebensform, praktizierte Humanität und existentielle Selbstprüfung, die der Film eindringlich nachzeichnet. Er ist ein überzeugendes Dokument der Geschichte der Mönche von Tibherine, die im Jahr 1996 in Algerien entführt und ermordet wurden.

Film des Monats Dezember 2010

 

 

Waltz with Bashir DVD1431

Foto: Katholisches Filmwerk

Animationsfilm von Ari Folman
kfw - Israel/Frankreich/Deutschland - 2008
87 Minuten

Der Mann hat ein MG an sich gerissen, ist in die Mitte der Straße gestürzt und schießt wild, auf Häuser, Plakate, unsichtbare Angreifer, während er sich um sich selbst dreht – in einem furchtbaren Totentanz. Die Straßen sind die von West-Beirut, der Mann ist israelischer Soldat, die Szene Teil einer Spurensuche. In „Waltz With Bashir“ bearbeitet der 1962 in Haifa geborene Regisseur Ari Folman ein historisches Geschehen, das für Israel ebenso beschämend und traumatisch ist wie Vietnam für die USA. Es geht um den Libanonkrieg von 1982 und speziell die Morde, die christliche Phalangisten in Sabra und Shatila an hunderten palästinensischen Flüchtlingen begingen – unter den Augen der israelischen Armee. Folman war selbst als junger Wehrpflichtiger dabei, und er hat ehemalige Kameraden nach ihren Erinnerungen befragt. Die Fakten, die seine Ermittlungen erbringen, sind freilich seit langem bekannt.

Film des Monats November 2008

 

 

Das weiße Band DVD1559

Foto: Matthias-Film

Spielfilm von Michael Haneke
Matthias-Film - Österreich/Frankreich/Italien - 2009
145 Minuten - schwarz-Weiß

Scheinbar voneinander unabhängige Ereignisse erschüttern eine norddeutsche Dorfgemeinschaft. Der Dorfarzt stürzt mit seinem Pferd über einen von Unbekannten gespannten Draht und verletzt sich schwer. Die Frau eines Bauern stirbt bei einem Arbeitsunfall. Sein Sohn macht den Gutsherrn für den Tod seiner Mutter verantwortlich und will sich rächen. Als der Sohn des Gutsherrn im Wald misshandelt aufgefunden wird, eskaliert die Situation. Schließlich wird ein behindertes Kind ebenfalls Opfer einer anonymen Gewalttat. Die Verdächtigungen untereinander wirken in der Dorfgemeinschaft wie ein schleichendes Gift. Mit den geheimnisvollen Anschlägen mischen sich die alltäglichen Formen der Gewaltausübung: drakonische Bestrafung von Kindern für Nichtigkeiten, sexuelle Demütigungen, soziale Abhängigkeiten. Dem Lehrer, der die Geschichte aus zeitlicher Distanz erzählt, begegnet die erste Liebe, die unter der Verfügung eines Probejahrs und aus innerer Schamhaftigkeit nur langsam zu wachsen vermag. Am Ende steht der Beginn des Ersten Weltkrieges.
"Das weiße Band" ist ein filmischer Diskurs über Autorität, Disziplinierung und ihre Folgen. Im Namen der Verantwortung für die Gemeinschaft wird ein Klima der Angst und der Einschüchterung geschaffen, das den Boden für neue Gewalt bereitet. Damit stellt der Film die Frage nach individueller und gesellschaftlicher Schuld. Besonders der protestantische Pfarrer bildet in einer Mischung aus Fürsorglichkeit und unbarmherziger Strenge den Typ des Geistlichen, der in seiner Selbstgerechtigkeit seine Kinder und eine ganze Generation von Konfirmanden terrorisiert. Unerwünschtes wird totgeschwiegen, von der befreienden Kraft der Verkündigung Jesu keine Spur. An dieser Figur wird bedrückend sichtbar, wie sehr die Kirche die Mentalität mitgeschaffen hat, die für die politischen Gewaltexzesse des 20. Jahrhunderts in Deutschland verantwortlich ist.

Film des Monats Oktober 2009

 

 

Yaaba DVD1253

Foto: EZEF

Spielfilm von Idrissa Ouedraogo
EZEF - Burkina Faso - 1989
90 Minuten - OmU

Der Film erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Jungen Bila und der alten Sana, die am Rande des Dorfes als Ausgestoßene lebt und von den Dorfbewohnern als Hexe angesehen wird. Für den Jungen ist sie seine "Yaaba" ("Yaaba" bedeutet in der Mooré-Sprache des westafrikanischen Landes Burkina Faso "Großmutter"). Der Alltag des Dorfes am Rande der Sahelzone mit seinen Auseinandersetzungen zwischen Frauen und Männern bildet den sozialen Rahmen der Geschichte. Als Bilas Cousine Nopoko an Tetanus erkrankt, wird Sanas "böser Blick" dafür verantwortlich gemacht. Bila bittet Sana um Hilfe. Während sie zum Heiler Taryam unterwegs ist, zündet ein Mann aus dem Dorf ihre Hütte an. Taryam gelingt es, Nopoko zu heilen. Am Ende stirbt Yaaba, ehe es zur Versöhnung zwischen ihr und den Dorfbewohnern gekommen ist.

Film des Monats Februar 1990

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