Archiv 2022 - Evangelische Medienzentrale

Evangelische Medienzentrale

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanates Beispiel zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht

Evangelische Medienzentrale Frankfurt

Menümobile menu

Film des Monats Mai

Maixabel – Eine Geschichte von Liebe, Zorn und Hoffnung (Maixabel)
130 Minuten

Das Telefon klingelt ohne Unterlass, laut und drängend. Maixabel hört es zunächst nicht – der Haarföhn übertönt das schrille Geräusch. Plötzlich hält sie inne, auf ihrem Gesicht breitet sich eine Furcht aus, die kurz darauf zur Gewissheit wird. Ihr Ehemann ist ermordet worden, kaltblütig in den Kopf geschossen. Auch Tochter María, die gerade ihren Geburtstag mit Freundinnen feiert, weiß sofort, dass etwas Schreckliches geschehen ist, als sie ihre Tante auf sich zulaufen sieht. Ein Anschlag der spanischen Untergrundorganisation ETA, wie sich schnell herausstellt. Den drei Attentätern gelingt zunächst die Flucht, doch vier Jahre später müssen sie sich vor Gericht verantworten. Von Reue keine Spur.

Jahre später spricht Maixabel auf einer Gedenkfeier für Opfer des Terrorismus. Sie engagiert sich für ein Gedenken an alle Opfer – die der ETA, die Opfer von Gewaltverbrechen durch die »Antiterroristische Befreiungsgruppe GAL« sowie die Opfer anderer gewalttätiger Gruppen. Damit werde sie noch ungeahnte Kritik einstecken müssen, warnt ihre Tochter: »Das wird keinem gefallen.« Auch dass sie sich mit ETA-Attentätern treffen will, ruft Unverständnis und Ablehnung hervor. Währenddessen stoßen die Täter Ibon und Luis in einem Gefängnis zufällig aufeinander. Beide ringen auf unterschiedliche Weise mit sich und ihren Taten. Luis entschließt sich zu einem Täter-Opfer-Gespräch. Für Maixabel wird die Begegnung zu einer Befreiung. Auch Ibon sucht schließlich den Kontakt zu ihr.

Die Regisseurin Icíar Bollaín greift mit ihrem auf wahren Ereignissen beruhenden Film einen Teil spanischer Geschichte auf, erzählt von Wut, Trauer, Verblendung, Schuld, aber auch Reue und Verantwortung. Sie stellt Menschen mit all ihren Verletzungen und ihrem individuellen Umgang mit Vergangenheitsbewältigung in den Mittelpunkt. Jenseits davon stellt Bollaín mit ihrem Film die Frage, wie Opfer von Gewalterfahrungen mit ihren Erlebnissen umgehen, wie sie Täter*innen begegnen wollen oder können. Deutlich zeigt sie dabei, dass Versöhnung Arbeit ist für diejenigen, die sich darauf einlassen.

Film-Credits: Georgien/Deutschland 2021 - Produzent: Guadalupe Balaguer Trelles, Juan Moreno, Guillermo Sempere, Koldo Zuazua - Regie: Icíar Bollaín - Drehbuch: Isa Campo, Icíar Bollaín - Schnitt: Nacho Ruiz Capillas - Länge: 130 Minuten - Verleih: Piffl Medien GmbH Boxhagener Str. 18, Berlin Tel.:+49 030 293616-0, Fax: +49 030 293616-22, office@pifflmedien.de, http://www.pifflmedien.de - Kinostart: 26.05.2022

Film des Monats April

Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen? (Ras vkhedavt, rodesac cas vukurebt?)
150 Minuten

Es war einmal in der Stadt Kutaissi in Georgien. Morgens auf dem Weg zur Arbeit begegnen sich die Apothekerin und Medizinstudentin Lisa (Oliko Barbakadse) und der Profi-Fußballer Giorgi (Giorgi Ambroladse), und abends auf dem Heimweg gleich nochmal. Das kann kein Zufall sein! Sie verabreden sich für den nächsten Abend zu einem Date im Straßencafé, aber dann trifft sie über Nacht ein Fluch: Am Morgen erwachen beide mit verändertem Aussehen – und können sich nicht mehr erkennen. Wochenlang suchen sie einander, während sich Kutaissi auf die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft vorbereitet. Kneipenwirte stellen Leinwände auf, selbst die Hunde suchen und finden ein gutes Plätzchen für sich. Aber Lisa und Giorgi (jetzt gespielt von Ani Karseladse und Giorgi Bochorishvili) müssen sich völlig neu orientieren. Gibt es für sie ein Happy End?

In epischer Länge – der Film dauert 150 Minuten – erzählt der 1984 in Tiflis geborene Regisseur Alexandre Koberidse ein Kinomärchen über Liebe und Sehnsucht. Seine Figuren sprechen nur wenig, das Drama spielt sich ganz in ihrem Inneren ab. Und wie im Märchen üblich ist es ein allwissender Erzähler, der den Zuschauer*innen das Geschehen nahebringt. Bei vielen musikalisch unterlegten Szenen fühlt man sich zuweilen in die Stummfilmära zurückversetzt. Und auch die großartigen Bilder von Kameramann Faraz Fesharaki tragen dazu bei, dass der Film einen regelrechten Sog entwickelt. Hier werden inhaltlich wie formal die Möglichkeiten der Kunstform Kino ausgespielt.

Alexandre Koberidse hat den Film, für den er auch das Drehbuch geschrieben hat, als Abschlussarbeit für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin gedreht. Er bringt den deutschen Zuschauer*innen darin auch das Alltagsleben in Georgien näher, einem ehemals zur Sowjetunion gehörenden Land im Südkaukasus, das ähnlich wie andere ehemalige Sowjetrepubliken von häufigen Regierungskrisen geplagt ist und keinen leichten Weg zu einem von Russland unabhängigen, souveränen demokratischen Staat geht.

Film-Credits: Georgien/Deutschland 2021 - Produzent: Mariam Shatberashvili, Anna Dziapshipa, Ketevan Kipiani, Luise Hauschild - Regie: Alexandre Koberidze - Drehbuch: Alexandre Koberidze - Schnitt: Alexandre Koberidze - Länge: 150 Minuten - Verleih: Grandfilm Muggenhofer Str. 132d, Bau 74, 90429 Nürnberg, Tel.:+49 0911 810 96 671, verleih@grandfilm.de, www.grandfilm.de - Kinostart:07.04.2021

Film des Monats März

DCM

Come on, Come on (C'mon C'mon)
108 Minuten

In einer Szene gehen Johnny (Joaquin Phoenix) und sein neunjähriger Neffe Jesse (Woody Norman) unter einem der monumentalen Eichenbäume von New Orleans entlang, dessen weit auslaufend geschwungene Äste sich wie ein Dach über die beiden spannen. Zwei winzige Lebewesen im Kontrast zu dem jahrhundertealten Baum: der erwachsene Mann und der kleine Junge. Ein archetypisches Bild, wie eine flüchtige Momentaufnahme aus dem Zyklus des Lebens. Johnny ist Radiojournalist und befragt Jugendliche aus vier großen amerikanischen Städten – Detroit, Los Angeles, New York, New Orleans –, was sie von der Zukunft erwarten. Seinen Neffen nimmt er auf die Reise mit, da dessen Mutter sich um den psychisch kranken Vater des Jungen kümmern muss. Zwischen dem im Umgang mit Kindern unerfahrenen Onkel und dem aufgeweckten Jungen entsteht eine innige Beziehung.

Ausgangspunkt seines Films seien die Erfahrungen und Gespräche mit seinem eigenen Sohn gewesen, berichtet Regisseur Mike Mills (Jahrhundertfrauen). Den Blick auf das Private, auf menschliche Beziehungen, die emotional berühren, habe er verbinden wollen mit den großen Zukunftsfragen, nach dem Zustand der heutigen Welt und der amerikanischen Gesellschaft. Daher die dokumentarischen Interviews mit Jugendlichen und ihre Sicht auf die Zukunft, die die Filmhandlung rahmen und denen er Respekt zollt. Lose verbinden sie sich mit der Handlung, denn sie sollen eigenständig sein und kein Vehikel für die Fiktion. "Come on, Come on" wirkt wie eine Collage, in deren Zwischenräumen sich intellektueller und spiritueller Sinn findet. Das Schwarz-Weiß der Bilder schafft den stimmungsvollen Raum einer Fabel, jenseits der Realität. Durch den Soundtrack von Aaron und Bryce Dessner und die wehmütige Stimme der Sängerin Leslie Feist wird er konturiert. Mit seiner Geschichte vom Kind und dem Erwachsenen entwirft der Film ein unprätentiöses zeitgenössisches Bild menschlicher Bindung und lässt in den kleinen, unscheinbaren Momenten erfahrenes Lebensglück aufscheinen.

Film-Credits: USA 2021 - Produzent: Chelsea Barnard, Andrea Longacre-White, Lila Yacoub - Regie: Mike Mills - Drehbuch: Mike Mills - Schnitt: Jennifer Vecchiarello - Länge: 108 Minuten - Verleih: DCM Schönhauser Allee 8, 10119 Berlin, Tel.:+49 030 88 59 74 0, Fax: +49 030 88 59 74 15, what@dcmteam.com, www.dcmworld.com - Kinostart:24.3.2022

Film des Monats Februar

Die Odyssee (L' traversée)
84 Minuten

Wie kann die Lebensgeschichte von Kindern erzählt werden, die paramilitärische Gewalt erleben, Verfolgungen ausgesetzt sind, flüchten müssen und Menschenhandel erfahren? Der abendfüllende Animationsfilm "Die Odyssee" versucht in einer ungewöhnlichen Öl-auf-Glas-Animationstechnik eine Annäherung. In einem Skizzenbuch hat die jetzt erwachsene Kyona einen Teil ihrer Kindheit festgehalten. Sie blättert es für die Zuschauer*innen auf und erzählt von einer dramatischen und wechselvollen Odyssee, die in ihrem idyllischen Heimatdorf irgendwo in Europa beginnt. Als das Dorf von einer neuen Macht überfallen und verwüstet wird, fliehen Kyona und ihr Bruder Adriel mit den Eltern und dem Baby. Unterwegs werden die Geschwister von den Eltern getrennt und müssen sich nun allein durchschlagen. Kyona und Adriel lernen auf ihrer traumatischen Reise gefährliche, aber auch hilfsbereite Menschen kennen. Aber immer wieder ergeben sich neue bedrohliche Situationen, die die beiden zwingen, weiter zu ziehen mit dem Ziel, in einen freien Staat ohne Verfolgung zu gelangen; ganz so, wie es die Eltern ursprünglich für die gesamte Familie geplant hatten.

Dem Film gelingt es, in märchenhafter Bildsprache hochaktuelle und schwere Themen wie Flucht, Vertreibung, Menschenhandel und Gewalt aus der Perspektive von Kindern zu erzählen. Die Öl-auf-Glas-Animationstechnik ermöglicht ein Wechselspiel von Fantasie und Realität: Auf das angstvolle Gesicht Kyonas folgt etwa das nächste Ziel der Odyssee. Die Namen und Handlungsorte sind frei erfunden, doch weiß jede*r Zuschauer*in, was und wer gemeint sein könnte. Der Film erzählt aber auch die alptraumhafte Geschichte von Kindern, die durch das Erlebte viel zu schnell erwachsen werden müssen. Mit seiner Erzählweise und der speziellen Animationstechnik wird "Die Odyssee" den geschilderten, harten Kinderschicksalen gerecht. Aufgrund seiner Farbbrillanz und Raffinesse hinterlässt er zudem starke Emotionen beim Publikum.

Film-Credits: Frankreich/Deutschland/Tschechien 2020 - Produzent: Dora Benousilio, Ralf Kukula, Alena Vandasová, Martin Vandas, Luc Camilli - Regie: Florence Miailhe - Drehbuch: Marie Desplechin, Florence Miailhe - Schnitt: Julie Dupré, Nassim Gordji Tehrani - Länge: 84 Minuten - Verleih: Grandfilm Muggenhofer Str. 132d, Bau 74, 90429 Nürnberg, Tel.:+49 0911 810 96 671, verleih@grandfilm.de, www.grandfilm.de - Kinostart:28.4.2022

Film des Monats Januar

Parallele Mütter
123 Minuten

Wieder sind es die Mütter, die bei Pedro Almodovars im Mittelpunkt stehen. „Parallele Mütter“ erzählt von zwei Frauen aus unterschiedlichen Generationen. Janis ist eine erfolgreiche Fotografin Ende dreißig, die ungeplant schwanger wird und ihre Schwangerschaft aus vollstem Herzen bejaht. Die 17-jährige Ana, selbst fast noch ein Kind, erlebt ihre Schwangerschaft hingegen mit gemischten Gefühlen. Von einer Gruppe junger Männer wurde sie zum Sex gezwungen, sie weiß nicht, wer der Vater ihres Kindes ist. Ihre eigene Mutter, eine selbstbezügliche Schauspielerin, die dem Erfolg hinterherjagt, bietet ihr kaum Unterstützung. Ana und Janis begegnen sich auf der Entbindungsstation. Mit der Geburt der Töchter verweben sich die Schicksalsfäden der beiden Frauen. Dass ihre Tochter weder dem Kindsvater, noch ihr selbst ähnlichsieht, veranlasst Janis, mittels eines DNA-Test prüfen zu lassen, wer die biologische Mutter ist.

Ein Stoff, wie gemacht für das Melodram oder eine veritable Seifenoper, von Pedro Almodovar so gekonnt und stilistisch eindrucksvoll inszeniert, dass es ein wahrer Genuss ist. Doch in „Parallele Mütter“ geht es um mehr. Janis hat ein familiengeschichtliches Anliegen. Ihr Urgroßvater wurde, wie Hundertausende Menschen, während des Spanischen Bürgerkriegs von den Falangisten um General Franco erschossen. Janis möchte, dass der forensische Anthropologe Arturo das Massengrab in ihrem Heimatdorf ausheben und die dort vermuteten Überreste der ermordeten Männer identifizieren lässt. Während die junge Ana meint, man solle die Vergangenheit ruhen lassen, will Janis den Geburtsfehler des heutigen demokratischen Spaniens korrigieren: sie will das auch nach dem Tod Francos im Jahre 1975 fortgesetzte Schweigen über die Verbrechen der Falangisten brechen. Damit greift Almodovar ein höchst aktuelles Thema auf, ist doch Spanien derzeit damit beschäftigt, die vielen namenlosen Gräber aus der Zeit des Bürgerkriegs zu öffnen, um den Hinterbliebenen späte Genugtuung zu verschaffen und das Geschichtsbewusstsein des Landes zu erneuern.

Film-Credits: Spanien 2021 - Produzent: Agustín Almodóvar, Esther García - Regie: Pedro Almodóvar - Drehbuch: Pedro Almodóvar - Kamera: José Luis Alcaine - Schnitt: Teresa Font - Länge: 123 Minuten - Verleih: StudioCanal GmbH Neue Promenade 4, 10178 Berlin, Tel.:+49 030 81 09 69-0 , info@studiocanal.de, www.studiocanal.de - Kinostart:03.03.2022

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top